Castel San Niccolò – Burgen, Stein und Pratomagno

Wenn Sie in der Toskana einen Ort zwischen mittelalterlicher Geschichte, Handwerkstradition und Berglandschaft suchen, zeigt Castel San Niccolò ein ungewöhnlich vielseitiges Gesicht. Die erhaltenen Reste des Castello di Castel San Niccolò liegen am höchsten Punkt des historischen Zentrums und beherrschen das umliegende Tal. Im Castello dei Conti Guidi bewahrt die Cappella del Crocifisso ein Kreuzigungsfresko der florentinischen Schule aus dem 14. Jahrhundert. Das Castello war bis 1349 Residenz der Familie Guidi.

Kirchen und Zeugnisse der Geschichte

Mehrere Sakralbauten vertiefen diesen historischen Charakter. Die Chiesa dei Santi Pietro e Donato wurde im 12. Jahrhundert errichtet, ist romanisch geprägt und mit der Geschichte der Conti Guidi verbunden. Die Pieve di San Martino a Vado bewahrt ihre ursprüngliche Fassade. Sie wurde im 11. Jahrhundert von den Conti Guidi an einem antiken Übergang über den Fluss Solano errichtet. Ein Steinweg mit dem Namen I SEGNI DELLA STORIA beginnt am Monumentalfriedhof von Strada in Casentino und führt weiter zur Pieve. In der Chiesa di Santa Maria a Spalanni befindet sich am Hochaltar Francesco Matis Madonna del Rosario e Santi aus dem Jahr 1605; außerdem beherbergt die Kirche Francesco Matis Maddalena Penitente. Die Chiesa di San Michele Arcangelo stammt aus dem 13. Jahrhundert und gilt als Beispiel für die romanische Architektur der Region. Sie bewahrt Fresken aus dem 14. Jahrhundert und einen steinernen Hochaltar. Der Eingang ist auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich. Die Chiesa di San Giovanni Battista stammt wahrscheinlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert und verbindet romanisch-gotische Architektur mit einem restaurierten Fresko der Madonna della Consolazione aus dem 16. Jahrhundert.

Stein als Handwerk und Besuchserlebnis

Stein prägt nicht nur einzelne Bauwerke. Die Logge del Grano an der Piazza Matteotti wurden aus lokalem Stein für den Marktgebrauch errichtet. Im Museo della Pietra Lavorata im ehemaligen Salesianer-Kolleg in Strada in Casentino ist die Ausstellung in mehrere Themenbereiche gegliedert: lokale Landschaft und traditionelle Alltagssteinarbeit, das steinerne Mittelalter, die Steinmetzen von Strada in Casentino sowie zeitgenössische Steinkunst. Die Steinmetzen von Strada bilden eine lokale Handwerkstradition; ihre noch aktiven Vertreter bewahren Kenntnisse über traditionelle Werkzeuge und Techniken. Der Führer weist in Strada in Casentino drei thematische Steinwege aus, die zu wichtigen steinbezogenen historischen und kulturellen Besonderheiten der Umgebung führen. Für Reisen mit Kindern gibt es im Sommer im Museo della Pietra Lavorata Steinmetz-Workshops. Zum Ecomuseo del Casentino gehört in Castel San Niccolò außerdem das Museo della civiltà castellana.

Cetica, Waldkultur und Pratomagno

Im Ortsteil Cetica bewahrt das Ecomuseo del Carbonaio die Erinnerung an ein Gewerbe, das eng mit den Wäldern und ihren Ressourcen verbunden war. Dazu gehören zwei rekonstruierte Holzhütten und ein Kohlenmeiler, die Bildungs- und Demonstrationszwecken dienen. Zu den festen Veranstaltungen des Ecomuseo del Carbonaio gehört das Kartoffelfest, auch Festa a Cetica genannt. Die Gemeinde führt die Patata Rossa di Cetica als eines der typischen Produkte von Castel San Niccolò auf. Bei Molino Grifoni können die zum Verkauf angebotenen Produkte verkostet werden. Von Bagni di Cetica aus erreicht man die ausgedehnten Gipfelwiesen des Pratomagno, die als Ziel für Wanderungen dienen. Damit lässt sich ein Aufenthalt um eine Landschaftserfahrung ergänzen, ohne den kulturellen Schwerpunkt des Ortes aufzugeben. Ein weiterer wiederkehrender Termin ist die Prozession am Oratorio della Visitazione della Madonna: Sie findet jedes Jahr am 2. Juli zu Ehren der Madonna statt. Die Mostra della Pietra Lavorata wird alle zwei Jahre Anfang September veranstaltet; daran nehmen Steinmetzen und Bildhauer aus ganz Italien teil.

Anreise und weitere Ortsprofile

Vom Valdarno aus ist Castel San Niccolò entweder über eine teilweise holprige Straße über den Pratomagno oder über eine asphaltierte Straße via Vallombrosa, Secchieta und Montemignaio erreichbar. Für die Anreise stehen damit zwei klar unterschiedliche Streckenvarianten zur Auswahl. Wenn Sie zusätzlich andere Ortsprofile vergleichen möchten, finden Sie hier auch Cortina, Caiano und Borgo Alla Collina.

Zur übergeordneten Reiseübersicht: Arezzo.

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